Fiktion · 18+Affäre · Drama2 Min. Lesezeit

Messe in Düsseldorf

Vier Tage Messe, ein dänischer Zulieferer und ein Namensschild, das sie bis heute nicht weggeworfen hat.

A window over a city at night
Photo: Gabrielle Meschini · Unsplash

Sabine Kröger hatte zwanzig Messen hinter sich und auf keiner davon je etwas Dummes getan. Sie trug flache Schuhe, ging um elf ins Bett und rief abends ihren Mann an, der zuhause in Bielefeld die Zwillinge ins Bett brachte.

Henrik Lund stand am ersten Tag an ihrem Stand und wollte über Lieferzeiten reden. Am zweiten Tag brachte er Kaffee mit. Am dritten Tag wussten sie beide, dass es nicht mehr um Lieferzeiten ging.

Der dritte Abend

Es passierte nicht im Hotel, sondern vorher, im Regen auf der Rheinpromenade, als er ihr seinen Schirm hielt und sie merkte, dass sie absichtlich langsamer ging. Er küsste sie unter einer Brücke. Sie hätte gehen können. Sie ging mit.

In seinem Zimmer war es still, nur die Klimaanlage summte. Er zog ihr das Namensschild ab, ganz vorsichtig, als würde er damit auch ihren Namen für eine Nacht abnehmen. Sabine Kröger, Vertrieb. Er legte es auf den Nachttisch. Den Rest der Nacht erzählt sie niemandem, nicht einmal sich selbst ganz.

Der Morgen danach

Was sie nicht erwartet hatte: dass sie sich nicht schlecht fühlte. Sie fühlte sich wach. Zum ersten Mal seit Jahren hatte jemand sie angesehen, als wäre sie nicht die, die immer an alles denkt.

Am vierten Tag schrieb ihr Mann: Die Kleinen fragen, wann du kommst. Sie las die Nachricht in der Toilette der Halle 6 und weinte zwei Minuten lang, sehr leise.

Gleis 14

Henrik brachte sie zum Bahnhof. „Kopenhagen ist nicht weit“, sagte er.

„Doch“, sagte Sabine. „Es ist genau so weit, wie es sein muss.“

Sie küsste ihn nicht zum Abschied. Sie gab ihm die Hand, wie einem Geschäftspartner, und beide wussten, dass das die zärtlichste Geste von allen war.

Im Zug nahm sie das Namensschild aus der Tasche. Sie wollte es wegwerfen, in Hamm, in Gütersloh, kurz vor Bielefeld. Sie tat es nicht. Es liegt in einer Schublade unter alten Messekatalogen, und manchmal, wenn ihr Mann fragt, warum sie lächelt, sagt sie: „Ach, nur so eine Erinnerung an die Arbeit.“

Diese Geschichte ist frei erfunden. Alle Figuren sind erfundene Erwachsene (18+), Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.

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