Fiktion · 18+Findom · Kontrolle2 Min. Lesezeit

Der Tribut

Für jede E-Mail nach 21 Uhr eine Münze ins Glas. Am Monatsende gehörte der Inhalt ihr.

Gold coins and bars on a dark table
Photo: Zlaťáky.cz · Unsplash

Jonas Berger las seine Mails um 23 Uhr, um 1 Uhr und um 5 Uhr morgens. Er arbeitete im zweiunddreißigsten Stock eines Turms im Frankfurter Bankenviertel, und er hatte vergessen, wie es sich anfühlte, nicht erreichbar zu sein.

Mira hatte das nach drei Nachrichten herausgefunden.

Ihre OnlyFans-Seite war schlicht: Schwarzweißfotos, ein strenger Pony, ein Blick, der nichts erklärte. Darunter stand: Ich nehme nur, was du vorher versprochen hast. Nicht mehr. Niemals außerhalb dieser Seite.

„Dein Monatslimit“, schrieb sie, bevor er etwas fragen konnte.

Er nannte eine Zahl. Sie war ehrlich.

„Gut. Und jetzt kauf dir ein Einmachglas.“

Das Glas

Die Regel war einfach. Jedes Mal, wenn Jonas nach 21 Uhr eine dienstliche Mail öffnete, musste er eine Zwei-Euro-Münze ins Glas werfen. Ein Foto davon an Mira. Ohne Kommentar.

Am Monatsende wurde gezählt. Der Inhalt des Glases, aufgerundet, war sein Tribut. Und weil sie die Regel kannte, die er ihr selbst gegeben hatte, galt: niemals mehr als sein Limit.

„Und wenn das Glas überläuft?“, fragte er.

„Dann hast du ein Problem“, schrieb Mira. „Nicht ich.“

Die erste Woche

In der ersten Woche lagen achtunddreißig Münzen im Glas. Jonas fotografierte es mit einer Mischung aus Scham und einer seltsamen, warmen Erregung. Jede Münze war ein kleines Geständnis.

Mira antwortete auf jedes Foto mit genau einem Wort. Manchmal schwach. Manchmal ehrlich. Einmal, nach einem Abend ohne eine einzige Münze, brav. Er las das Wort dreimal und legte das Handy dann tatsächlich in die Schublade.

Die Wende

In der dritten Woche passierte etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Er wollte die Münzen nicht mehr einwerfen – nicht wegen des Geldes, sondern weil er wissen wollte, wie sich brav anfühlte, wenn er es öfter hörte.

Er ging um 21 Uhr spazieren. Er las ein Buch. Er rief seine Schwester an, zum ersten Mal seit Monaten.

Am Monatsende lagen nur noch neun Münzen im Glas. Der Tribut war klein. Er schickte ihn trotzdem mit zitternden Fingern und schrieb dazu: Ich hätte gern mehr gegeben.

Die Antwort

Die Antwort kam nach einer Stunde.

Ich weiß. Genau deshalb bekommst du es nicht. Du sollst nicht mehr zahlen. Du sollst mir mehr gehorchen.

Darunter ein Foto, nur für ihn: Mira im schwarzen Kleid, die Beine übereinandergeschlagen, in der Hand ein leeres Einmachglas.

Neuer Monat, stand darunter. Neues Glas. Ich will es leer sehen.

Jonas stellte das Glas auf den Schreibtisch, mitten zwischen die Bildschirme. Seine Kollegen hielten es für eine Kaffeekasse. Er ließ sie in dem Glauben.

Diese Geschichte ist frei erfunden. Alle Figuren sind erfundene Erwachsene (18+), Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.

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