Fiktion · 18+Paare · Cuckold2 Min. Lesezeit

Der Sessel am Fenster

Drei Regeln auf einer Hotelkarte. Jens durfte nur eine einzige Sache selbst entscheiden: die Musik.

An armchair in a quiet hotel room
Photo: Yanhao Fang · Unsplash

Die Karte lag auf seinem Kopfkissen, als Jens aus der Dusche kam. Hotelpapier, Katrins schräge Handschrift, drei Zeilen.

1. Du sitzt im Sessel. 2. Du redest nur, wenn ich dich etwas frage. 3. Das Wort heißt „Elbe“. Wer es sagt, beendet alles – auch du.

Darunter, kleiner: Die Musik darfst du aussuchen. Das ist alles.

Sie waren seit zwölf Jahren zusammen. Die Fantasie war seine gewesen, lange Zeit nur halb ausgesprochen, nach dem zweiten Glas Wein. Irgendwann hatte Katrin aufgehört zu lachen und angefangen zuzuhören. Und dann hatte sie die Sache an sich genommen, so wie sie alles an sich nahm, was ihr wichtig wurde: gründlich, mit Plan, ohne Eile.

Der Gast

Sebastian war Segellehrer, zehn Jahre jünger als beide und von einer fast unverschämten Ruhe. Sie hatten ihn dreimal getroffen, bevor überhaupt etwas feststand. Beim dritten Mal hatte Katrin ihm die Karte gezeigt, und er hatte nur genickt: „Klingt fair. Du bist der Kapitän.“

Jens wählte eine alte Platte von Portishead. Dann setzte er sich in den Sessel am Fenster, hinter ihm die Lichter der Containerschiffe, und merkte, dass seine Knie zitterten.

Was er sah

Katrin ließ sich Zeit. Sie sah ihn an, während Sebastian ihr den Reißverschluss öffnete. Sie sah ihn an, als sie sich küssen ließ. Und jedes Mal, wenn Jens den Blick senken wollte, sagte sie leise seinen Namen, bis er wieder hinsah.

„Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?“

„Nein“, sagte er ehrlich. „Es ist mehr.“

Sie lächelte – nicht spöttisch, sondern stolz. Was danach geschah, gehört den dreien. Jens stand kein einziges Mal auf.

Die vierte Regel

Als Sebastian gegangen war, setzte sich Katrin auf die Armlehne, das Laken um die Schultern, und drehte die Karte um. Auf der Rückseite stand eine vierte Zeile, die er nicht gesehen hatte.

4. Danach erzählst du mir alles. Auch das, wofür du dich schämst.

Er erzählte. Von der Eifersucht, die kam und nach einer Minute wieder ging. Von dem Stolz, der blieb. Katrin hörte zu, die Hand in seinem Nacken, und als er fertig war, zog sie ihn aus dem Sessel.

Die Karte steckt heute in seinem Portemonnaie, hinter dem Personalausweis. Manchmal fragt sie beiläufig, ob er sie noch hat. Er hat sie immer.

Diese Geschichte ist frei erfunden. Alle Figuren sind erfundene Erwachsene (18+), Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.

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