Jana suchte nur das Warndreieck. Ein platter Reifen auf der A9, Regen, ihr Mann auf Dienstreise. Unter der Abdeckung des Reserverads lag ein billiges schwarzes Handy, in eine Plastiktüte gewickelt.
Der Code war Patricks Geburtsjahr. Natürlich.
Die Nachrichten reichten acht Monate zurück. Eine gewisse „Sanni“. Hotelnamen. Fotos, die Jana nach dem dritten nicht mehr ansah.
Kein Drama
Sie wechselte den Reifen selbst. Dann fuhr sie nach Hause, kochte, legte das Handy neben seinen Teller und wartete, bis er von der Reise zurück war.
Patrick wurde weiß. Er fing an zu erklären, zu bitten, zu weinen. Jana hörte ihm zu, ohne ein Wort, bis er nichts mehr zu sagen hatte.
„Ich gehe nicht“, sagte sie dann. „Das wäre zu einfach für dich. Ab heute gelten neue Regeln.“
Die neuen Regeln
Sie waren kurz. Er beendet die Sache mit Sanni, heute, vor ihren Augen. Und Jana bekommt, was er sich acht Monate lang heimlich genommen hat – nur nicht heimlich.
„Ich gehe aus, wann ich will. Mit wem ich will. Und du weißt es jedes Mal. Vorher.“
Er nickte, weil er keine Wahl hatte. Sie hatte damit gerechnet, dass er es hassen würde.
Freitagabend
Beim ersten Mal zog sie das grüne Kleid an, das er nie mochte, weil es „zu viel“ war. Sie schminkte sich im Bad mit offener Tür, damit er zusah. An der Haustür drehte sie sich um.
„Bleib wach“, sagte sie. „Ich will dir nachher erzählen, wie es war.“
Sie kam um halb drei zurück. Patrick saß auf dem Sofa, genau da, wo sie ihn gelassen hatte. Und in seinem Blick lag etwas, womit keiner von beiden gerechnet hatte: kein Zorn. Verlangen.
Sie erzählte ihm alles, langsam, Detail für Detail. Er hörte zu wie ein Verdurstender.
Das zweite Handy liegt immer noch im Reserverad. Jana hat es dort gelassen. Als Erinnerung daran, wer jetzt die Regeln schreibt.



