Zum zehnten Hochzeitstag schenkte Markus seiner Frau keinen Schmuck.
Er schenkte ihr einen Umschlag. Darin lag eine Karte aus schwerem Papier, und auf der Karte stand in seiner ordentlichen Ingenieurshandschrift:
Gutschein für einen Abend. Mit einem Mann deiner Wahl. Drei Regeln: 1. Er ist verifiziert. 2. Du schreibst mir um 22 Uhr. 3. Du bringst mir einen Beweis mit.
Sabine las die Karte zweimal. Dann sah sie ihn über den Rand ihres Weinglases an, sehr lange.
„Du meinst das ernst.“
„Seit drei Jahren“, sagte Markus. „Ich habe es nur nie aufgeschrieben.“
Die Verifizierung
Regel eins nahm sie wörtlich. Sie wählte niemanden aus einer App. Sie meldete sich in einem Forum für Paare an, wo jeder ein Verifizierungsfoto einreichen musste – Benutzername, Datum, handgeschrieben, aktuell. Sie reichte ihres ein, Markus reichte seins ein, und erst danach antwortete sie auf Nachrichten.
Der Mann hieß Erik. Er war geschieden, Architekt, und hatte selbst ein grünes Häkchen neben seinem Namen. Sie trafen ihn zu dritt im Brauhaus in der Altstadt, und Erik fragte Markus mehr Fragen als Sabine.
„Gut“, sagte Markus auf dem Heimweg. „Der ist gut.“
Der Abend
Sabine zog ein dunkelgrünes Kleid an, das sie seit Jahren nicht getragen hatte. Markus machte ihr den Reißverschluss zu und küsste ihre Schulter.
„Wenn du nicht willst“, sagte er, „ist das genauso schön.“
„Ich will“, sagte sie. „Und du sollst wissen, dass du derjenige bist, zu dem ich nach Hause komme.“
Um 22 Uhr vibrierte sein Handy. Ein Foto: zwei Gläser auf einer Bar mit Blick auf den Dom, ihre Hand mit dem Ehering auf dem Tresen. Darunter: Alles gut. Ich denke an dich. Mehr als an ihn.
Er saß auf dem Sofa und lächelte, allein, im Dunkeln.
Der Beweis
Sie kam um halb zwei. Die Schuhe in der Hand, die Haare offen, mit einem Gesicht, das er seit ihrer Hochzeitsreise nicht gesehen hatte.
Sie setzte sich auf seinen Schoß und legte etwas in seine Hand. Eine Barquittung vom Abend. Auf der Rückseite, in Lippenstift, ein Herz – und darunter, in ihrer Schrift: Beweis. Für dich. Immer für dich.
„Erzähl“, sagte er.
Sie erzählte. Ehrlich, langsam, mit Pausen, in denen sie ihn küsste. Er hörte zu, und er fühlte nichts von dem, wovor er sich gefürchtet hatte. Nur Stolz. Und eine Nähe, die so dicht war, dass er kaum atmen konnte.
Die Quittung steckt jetzt im Umschlag, zusammen mit der Karte. Sabine hat eine neue Karte geschrieben. Sie liegt auf seinem Nachttisch und ist noch nicht eingelöst.



